Musterschüler, Sensibelchen, Quatschkopf, Therapiehund
Felix wurde von mir zum Therapiehund für Familie D. in Thüringen ausgebildet. Ich habe ihn im Alter von 6 Wochen aus einem Wurf von 12 Golden Retriever Welpen mit Hilfe eines Welpentests ausgewählt. Mit 8 Wochen haben Anton und ich ihn dann von seiner Züchterin aus der Nähe von Hamburg abgeholt und mit auf die lange Reise nach Dänemark genommen.
Bevor es soweit war, erfolgten intensive Gespräche und ein zweitägiger Besuch bei der Familie, natürlich in Begleitung von Anton.
Der Therapiehund sollte für das damals 12-jährige Mädchen Juliane ausgebildet werden, die aufgrund eines Autounfalls an den Folgen diverser Knochenbrüche und eines schweren
Schädel-Hirn-Traumas litt. Nach längerem Koma und langandauernder Reha sollte sie nun auch zu Hause die bestmögliche Förderung erhalten. Ziel war es, Juliane aus dem Rollstuhl zu befreien, auf den sie damals zu 90% angewiesen war. Außerdem sollten ihre Gehirnfunktionen stimuliert, ihre kognitiven Fähigkeiten gefördert und auch ihre sprachlichen Fähigkeiten weiter verbessert werden.
Die Volksfürsorge Versicherung übernahm dabei die kompletten Kosten für die Ausbildung des Hundes
Die Volksfürsorge Versicherung übernahm dabei die kompletten Kosten für die Anschaffung, Ausbildung und Haltung des Hundes. Diese Leistung ist bisher einmalig,
da in Deutschland Krankenversicherungen und Versicherungen im Allgemeinen nicht für die Ausbildung von Therapiehunden oder Behindertenbegleithunden aufkommen. Die Volksfürsorge trat hier als Versicherer des Unfallfahrers auf, der Juliane so schwer geschädigt hatte.
Während meines Besuches bei der Familie konnte ich sehr schnell feststellen,
dass Juliane einen Hund brauchte, der in seinem Temperament und seinen Körperbewegungen wesentlich ruhiger und vorsichtiger war als Anton. Juliane konnte in der Wohnung zwar ohne Rollstuhl einige Schritte gehen, ein einziges freudiges Schwanzwedeln brachte sie jedoch schon aus dem Gleichgewicht.
Diese Eigenschaften, freudig aber gelassen, lebhaft aber vorsichtig in seinen
Bewegungen, zeichneten Felix schon als Welpen aus. Ich glaube, er ist einer der wenigen Hunde, die wissen, was ihr Schwanz macht.
Die Ausbildung von Felix dauerte 1,5 Jahre, wobei er die restlichen 3 Monate (die Integrationsphase) schon bei seiner Familie lebte und diese von mir durch Telefonate und Besuche vor Ort betreut wurde.
Das Hauptziel war, Felix zu einem motivierten Begleiter bei Julianes therapeutischen Übungen auszubilden
Er sollte sie zuverlässig am Rollstuhl, später
an Nordic-Walking Sticks und heute ohne jegliche Gehhilfen begleiten. Felix ist kein Behindertenbegleithund. Er kann Juliane nicht allein durch den Alltag oder den Straßenverkehr begleiten. Juliane findet sich zur Zeit noch nicht selbstständig im Straßenverkehr und Alltag zurecht und kann dementsprechend den Hund nicht führen.
Allerdings gehen Felix und Juliane mittlerweile (Juni 2007) alleine eine kleine runde in der Nachbarschaft spazieren.
Felix wurde dazu ausgebildet, in gezielten Trainingseinheiten Übungen zusammen mit Juliane zu absolvieren, z.B. Gehübungen, Körperbeherrschung, Stimmtraining, Atemübungen etc. Zusätzlich erhielt er eine spezielle Ausbildung
zu Assistensleistungen: Gegenstände aufheben, Klettverschlüsse und Reißverschlüsse öffnen. Diese Fertigkeiten sollten Juliane motivieren, immer wieder eigenständig mit Felix zu arbeiten und ihn anstelle von Familienangehörigen um Hilfe zu ersuchen.
Felix Ausbildung wurde im März 2006 abgeschlossen, sie dauerte 18 Monate
Bei den therapiebegleitenden Übungen spielt Julianes Mutter eine sehr große Rolle. Sie ist die eigentliche Hundeführerin. Sie bestimmt Zeitpunkt und Dauer des
Trainings und erarbeitet neue Übungen für Kind und Hund. Sie muß auch die Grenzen des Hundes erkennen und seine Bedürfnisse respektieren. Hierzu hat Frau D. eine Schulung durch ANTONITAS erhalten. Vieles aber musste sie sich in der Integrationsphase mit Felix selbst erarbeiten. Das erforderte viel Zeit, Engagement und Durchhaltevermögen. Für eine alleinerziehende Mutter von zwei Teenagern eine große Aufgabe. Ich habe großen Respekt vor Frau Ds. Leistungen. An dieser Stelle viele Grüße und beste Wünsche von mir!
Felix Ausbildung wurde im März 2006 nach 18 Monaten abgeschlossen. Heute begleitet er Juliane zu ihren verschiedenen Reha-Maßnahmen. Er wird häufig in die logopädische Therapie und die Neuropsychologie integriert und wartet geduldig im Wartezimmer der Physiotherapie. Dank an die Therapeuten, die dem Therapiehund so offen gegenüberstehen.
Felix ist geliebtes Familienmitglied, bester Freund Julianes, verträumter Spaziergänger und vermisstes Hundebaby von ANTONITAS.